Foto: Hartmut Pöstges: Reinhard Fritz versteht sich auf die komplizierte Lasur-Technik der Überblendung.
Hier sein Werk "Großes Theater".




Foto: Hartmut Pöstges: "Grenzwege" (Ausschnitt).




Foto: Hartmut Pöstges: "Neue Übung" (Ausschnitt).
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Ausstellung im Kunstturm "Mikadostäbe, die sich nicht berühren"

Von Anja Brandstäter, Süddeutsche Zeitung 18. Mai 2022

"Malen in der Pandemie": Reinhard Fritz zeigt in Wolfratshausen Aquarelle und Acrylbilder, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden.

Wolfratshausen - Türkis, orange, gelb, lila, hellgrün - eine Farbensymphonie, feinst komponiert, füllt eine Leinwand, 80 auf 120 Zentimeter groß. Da tummeln sich Fische, Krabben und Tentakel, die Farben sind transparent übereinander gelegt. Das Werk "Großes Theater" überschüttet den Betrachter mit purer Lebensfreude. "Es erinnert mit seinen zahlreichen bunten und vieldeutigen Figuren an den schmerzlichen Wegfall gemeinsam erlebter Kunstereignisse", sagt Reinhard Fritz.

Reinhard Fritz wurde 1946 in Spornitz in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in München Malerei und Kunsttheorie bei Raimer Jochims und schloss mit Diplom ab. Seit 1975 arbeitet er als freischaffender Künstler. Seine Technik ist die Lasurmalerei, die er im Aquarell entwickelt hat. Bei seinen großformatigen Acrylbildern auf weißgrundierter Leinwand verwendet er stark verdünnte Farben, die er in dünnen durchscheinenden Schichten gekonnt übereinanderlegt.

Die pandemiebedingte Vereinzelung spiegelt sich in einer Arbeit mit Mikado-Stäbchen. Auf einem roten Untergrund liegen sie kreuz und quer. Alle sehen gleich aus, weiß mit orangenen Streifen und schwarzen Enden. Jedoch: Sie berühren sich nicht, liegen nicht kunterbunt an- und übereinander, sondern halten Abstand. Ein Spieler könnte sie mit Leichtigkeit nacheinander aufsammeln. "Neue Übung" heißt das Bild.

In den vergangenen Monaten sei die Natur eine große Inspirationsquelle gewesen, sagt Fritz. Im Frühjahr reiste er nach Schleswig-Holstein und quartierte sich in dem Örtchen Burg im Kreis Dithmarschen ein. Von seiner Ferienwohnung aus konnte er beobachten, was sich auf dem Nord-Ostsee-Kanal abspielt, sah riesige Frachtschiffe vorbeiziehen und spürte den eisigen Wind über die hügellose Landschaft wehen. In dieser Zeit entstanden die "Dithmarscher Aquarelle" mit dem Titel "Nah an der Natur". Dazu erklärt der Künstler: "Ich habe die innere Musik gemalt. Wenn es gut wird, fangen die Farben beim Malen an zu singen." So entstanden kleinformatige Aquarelle, die "Vermessung der Wolken", "Kohlkoog" oder "Pustig" heißen.

Im Kunstturm zeigt er 55 Werke. Nicht zu sehen ist die Reihe "Zeichnen in der Isolation". Sie entstand im Krankenhaus, wo Fritz mit Verdacht auf Corona untergebracht war. Die kleinen quadratischen Bleistiftzeichnungen waren innerhalb von zwei Wochen verkauft.

Die Ausstellung ist bis 29. Mai im Kunstturm am Schwankleck (Obermarkt 33) in Wolfratshausen zu sehen; neben den regulären Öffnungszeiten (Samstag 12 bis 15 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr) bietet der Künstler individuelle Termine an, Anmeldung unter reinhard.fritz@gmx.de oder Telefon 0162 /9 809 519.


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