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Noch erhaltene Arbeiten aus der Studienzeit an der
Akademie der Bildenden Künste München von 1967 bis 1974


WV-Nr: 1974-01

"Ur" 1974
42 x 42 cm, Acryl auf Leinwand
Privatbesitz

WV-Nr: 1974-03 Abb. XL

"With confetti in my hair" 1974
150 x 200 cm, Acryl auf Leinwand
ca. 35.000 Farbpunkte
Atelier


WV-Nr: 1974-02 Abb. XL

"Selbstportrait mit Fischen"
"Mü 740600 A" 1974
28 x 34 cm, Aquarell
Atelier

WV-Nr: 1974-20

"Big Blue" 1974
50 x 50 cm, Aquarell
Privatbesitz




Werkgruppe ZEICHNUNGEN 1974
WV-Nr: 1974-04 bis 1974-18





Werkgruppe ZEICHNUNGEN 1973
WV-Nr: 1973-10 bis 1973-19


Werkgruppe TRAUMBILDER 1972
WV-Nr: 1972-03 bis 1972-29


WV-Nr: 1972-30

"Farbfeld 1" 1972
60 x 46 cm, Farbstift auf Papier
Atelier

WV-Nr: 1972-31

"Farbfeld 2" 1972
60 x 46 cm, Farbstift auf Papier
Atelier


WV-Nr: 1973-02

"Tasse" 1972
16 x 16 cm, Aquarell auf Papier
auf Hartfaser kaschiert und in
Bildkasette 30 x 30 x 2 cm montiert
Privatbesitz

WV-Nr: 1972-03

"Tasse" 1973
15 x 16 cm, Aquarell auf Papier
auf Hartfaser kaschiert und in
Bildkasette 30 x 30 x 2 cm montiert
Atelier


WV-Nr: 1972-01

"Kleiner Fuchs" 1972
14,5 x 14,5 cm, Aquarell
auf Kreidegrund auf 10 mm Spanplatte
in Bildkasette 30 x 30 x 3 cm montiert
Privatbesitz

WV-Nr: 1972-02

"selbst mitten drin" 1972
14,5 x 14,5 cm, Aquarell
auf Kreidegrund auf 10 mm Spanplatte
Atelier



WV-Nr: 1970-01

"Schwarz" 1970
100 x 50 cm, Acryl auf Holz
Holzplatte zersägt, bemalt,
wieder zusammengefügt
Privatbesitz

WV-Nr: 1969-01

"Zellstruktur" 1969
60 x 46 cm, Öl auf Leinwand
Atelier

WV-Nr: 1967-01

"Mensch und Masse" 1967
39 x 22 cm, Tusche auf Papier
Atelier


WV-Nr: 1967-02

"Farbkomposition" 1967
30 x 21 cm, Ölkreide auf Papier

Atelier

WV-Nr: 1967-03

"Alter Brief" (old letter) 1967
24 x 32 cm, Aquarell
Atelier

WV-Nr: 1967-04

"Stern" 1967
27 x 20 cm, Ölkreide auf Papier
Atelier


Eine Farbstiftzeichnung aus dem letzten Schuljahr in der Abiturklasse 1966


WV-Nr: 1966-01

"Wir sind nicht mehr die Gleichen" 1966
28 x 22 cm, Farbstift auf Papier
Privatbesitz
Wir sind nicht mehr die gleichen.
Uns ätzte das Leben leer.
Es gibt keine mystischen Zeichen,
es gibt kein Geheimnis mehr.
Wir treiben durch luftlose Räume,
erloschenen Angesichts.
Die Nächte verweigern uns Träume,
die Sterne sagen uns nichts.
Wir haben den Himmel zertrümmert,
das Weltall umklammert uns kalt.
Der Tod läßt uns unbekümmert.
Wir haben Gewalt.


Dagmar Nick: : Hybris
aus DIE ZEIT vom 13. Februar 1958




... und eine Kurzgeschichte für die Schülerzeitung KANNITVERSTAN







Zwischen Kunsterziehung, Mathe-Unterricht und Leibesübungen. Meine Schulzeit in Tuttlingen.
"the portrait of the artist as a young man"

Von Reinhard Fritz, München im Juli 2016

Meine Schulzeit begann in einer fremden Stadt. Meine Eltern und Geschwister waren im Zuge der Flüchtlingswelle vor dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in einer nächtlichen Aktion aus Spornitz in Mecklenburg/DDR, wo meine Eltern eine Land- und Gastwirtschaft betrieben, nach West-Berlin geflohen. Von dort wurden wir, wie fast alle Flüchtlinge, in verschiedene Bundesländer ausgeflogen. Meine Mutter, die in Freiburg studiert und promoviert hatte, wünschte sich Baden-Württemberg, und so kamen wir schließlich nach Tuttlingen, wo die Familie, die durch die Umstände der Flucht getrennt war, wieder zusammen geführt wurde, und meine Mutter als Lehrerin an der Höheren Handelsschule wieder arbeiten konnte. Hier entstand meine zweite Heimat und mein Elternhaus bis zum Tod der Mutter 2001. Ich besuchte später regelmäßig meine Mutter, der Vater war früh verstorben, und auch einige Klassenkameraden, und ich nahm als Künstler regelmäßig an den Jahresausstellungen in der Galerie der Stadt Tuttlingen teil, die auch 3 Einzelausstellungen meiner Bilder ausrichtete.

Ich war also zu Schulbeginn ein Flüchtlingskind, was man an meiner hochdeutschen Sprache schnell erkennen konnte. Und weil ich nicht Flüchtling sein, sondern dazu gehören wollte, lernte ich sehr schnell den Tuttlinger Dialekt. Ich wuchs sozusagen zweisprachig auf, im Elternhaus wurde hochdeutsch gesprochen, draußen schwäbisch. Unser Grundschullehrer Karl Hilzinger in der Karlschule hielt durch rabiate Erziehungsmethoden die große und sehr lebhafte Klasse mit seinem Rohrstock unter Kontrolle. Hier merkte ich zum ersten Mal, dass ich als Lehrerkind meistens verschont blieb.

Gerade 10 Jahre alt schrieb ich 1957 meiner Patentante, die weiterhin in der DDR lebte, einen überaus phantasievoll geschmückten Brief, dass ich die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium geschafft hatte ohne ins „Mündliche“ zu müssen. An diesem Brief mit der kindlichen Schreibschrift und der bemühten Rechtschreibung fällt sofort das große Interesse für das Zeichnen auf. Der Brief war üppig mit Farbstiftzeichnungen von Fischen und Pflanzen versehen. Dieser Brief gelangte nach dem Tod der Patentante wieder zu mir in mein Künstler-Archiv.

Ich war in meiner Erinnerung auch noch zu Beginn der Gymnasialzeit ein träumerisches und verspieltes Kind, dass z.B. den Mathe-Lehrer Dieter Jost mit einer aus den Händen geformten Kamera filmte, während er mir meine ungenügende Klassenarbeit zurück gab und mich ermahnte, das Ergebnis ernst zu nehmen und mich mehr anzustrengen. Nach der Schule an den Nachmittagen stromerte ich mit Schulfreunden im Tuttlinger Stadtgebiet herum, kletterte über Zäune und erkundete fremdes Terrain, oder wir tobten bei schlechtem Wetter in den Wohnungen der Schulfreunde, wobei so manches Einrichtungsstück Schaden nahm.

Etwa ab der Mittelstufe 5./6. Klasse bildeten sich meine speziellen, recht gegensätzlichen, scheinbar unvereinbaren Interessen heraus: Bildende Kunst, Mathematik und Sport. Das Dreigestirn aus den Einsern dieser Fächer im Zeugnis begleitete mich bis zum Abitur, während die Noten anderer Fächer zwischen ausreichend und mangelhaft pendelten. Das führte schließlich in der 7. Klasse zum Scheitern an der Mindestleistung, dem Ausreichend als Notendurchschnitt, und ich musste die Klasse wiederholen.

Trotzdem, oder jetzt erst recht, ging ich weiterhin gerne zur Schule, sie war nicht nur die Welt meiner Freunde, sondern zunehmend auch die Welt der geistigen Auseinanderansetzung, wie z.B. mit meinem Schulfreund Claus Czeranski über Existentialismus, aber auch die Welt des Wissens. In Biologie bei Joachim Kulke lernte ich die Vielfalt der Tiere und Pflanzen kennen, zeichnete Gräser und Blütenstände, bei Dr. Otto Manz sezierten wir echte Kuhaugen aus dem Schlachthof, und in Physik und Chemie bei Richard Leute begann ich die Welt von ihrer stofflichen Beschaffenheit zu verstehen. Mit meinem Schulfreund Hans-Werner Schock, dem späteren Professor für Sonnenenergie in Berlin, bastelte ich jahrelang Radios aus Bauteilen, die bei Radio Rim oder Radio Holzinger in München bestellt wurden, und mit Schulfreund Dieter Hilburger fuhr ich an Samstagen oft nach Konstanz in die Discos, wo wir die ganze Nacht verbrachten. Für die Schülerzeitung KANNITVERSTAN lieferte ich Zeichnungen und schrieb Kurzgeschichten über das Leben, wie ich mir es vorstellte, und in meiner Phantasie sah ich mich schon als Schriftsteller und Künstler. Nach der Schule trafen wir uns oft in der Milchbar gegen über dem Fruchtkasten oder im Steh-Café an der Bahnhofstrasse, diskutierten und träumten von der Zukunft, also dem Leben nach der Schule, dem Studium und der Berufsausbildung.

In den Ferien erlebte ich eine andere Welt, denn ich arbeitete als Aushilfe in verschiedenen Fabriken oder im Straßenbau, um meinen Vespa Motorroller zu finanzieren, mit dem ich einen Sommer bis nach Travemünde und auf dem Schiff weiter nach Finnland fuhr. In Helsinki war ich so beweglich und konnte die Stadt erkunden. Ein andermal war ich mit der Vespa in Paris, meiner Traumstadt. Da wusste ich noch nicht, dass ich später als Künstler hier zwei Jahre mit meiner Frau und unseren beiden kleinen Kindern leben würde. Hier malte ich das Bild „Le Coq Est Mort“, das jetzt im Ulmer Museum hängt. In dieser Zeit wurde mir ein Unterschied zwischen Schule und Leben bewusst. Die Fehler, die im Französischunterricht zu schlechten Noten führten, waren im Leben oft lustig und kommunikationsfördernd.

Tief beeindruckt und möglicherweise meinen Lebensweg beeinflusst hat mich die Begegnung mit Josef Sanner, der Kunstmaler in Tuttlingen, den ich mehrmals im Atelier besuchen durfte. Ein sensibler Mensch, dem Schulalltag nur bedingt gewachsen, der sich bei zu viel Krawall im Zeichenunterricht in den Vorbereitungsraum zurückzog und weinte. Als die Klasse dies durch einen Mitschüler erfuhr, wurde es plötzlich ruhig. Ich liebte die Atmosphäre in seinem Atelier, die Tische auf denen sich Kartons und Papiere neben wunderschönen Landschafts-Aquarelle stapelten - damals hatte ich wohl erstmals den Wunsch, auch Maler zu werden und mich dieser meditativen Arbeit zu widmen. Mit dem Kunsterzieher Walther Wurzberger kam ich weniger gut zurecht, ich war ihm zu eigenwillig, die Kasperlepuppen zum Beispiel, die wir damals aus Knetgummi formten und mit Zeitungspapier in zahlreichen Lagen beklebten, aufschnitten, den Knetgummi entfernten, die Hälften wieder zusammen klebten und bemalten und mit Hilfe meiner Mutter kleideten, diese Figuren, ein „Zauberer“ und ein „Räuber“, missfielen Wurzberger gründlich, doch sie begleiteten mich bis weit in meine Münchner Jahre. Unabhängig davon hat mir Wurzberger bei der feierlichen Abiturzeugnisübergabe im Festsaal des Evangelischen Gemeindehauses in der Weimarstraße den Anerkennungspreis für Leistungen im Fach Bildende Kunst überreicht. Meine künstlerischen Ambitionen waren für alle in einer ersten Ausstellung im Festsaal des Gymnasiums sichtbar. Während meines Studiums an der Kunstakademie in München kam es mit Malerfreunden aus München, alle noch Studenten, zu einer ersten Ausstellung in der Kunstetage von Dr. Paul, einem Wegbereiter der Galerie der Stadt Tuttlingen.

Meinen Mathelehrer Dieter Jost, den ich seit der ersten Klasse kenne, mochte ich besonders. Er spornte mich zu Höchstleistungen an, die Algebra, das Rechnen mit Buchstaben, das Abstrakte, fand ich besonders attraktiv. Beweise in Geometrie und Algebra zu führen, begeisterten mich und bescherten mir schulische Erfolge. Später an der Ludwig-Maximilians-Universität München habe ich als Gasthörer bei Carl Friedrich von Weizäcker neben der Kunstakademie seine Vorlesungen in Logik besucht.

Im Fach Leibesübungen, welch vieldeutig schönes Wort für Sport, war ich immer vorne dabei. Mit Herbert Moser rang ich um Bestzeiten auf 100 Meter, beschäftigte mich aber, meiner breiten, sportlichen Veranlagung wegen mit allen Disziplinen, auch Kugelstoßen, Diskus- und Speerwerfen. Zusätzlich war ich an den Abenden in den Sportvereinen aktiv: Leichtathletik, Hallenhandball und Geräteturnen – jeden Tag etwas anderes. Von diesem körperlichen Training zehre ich noch heute.

Irgendwann in der rebellischen Auseinandersetzung mit den Eltern und Lehrern entwickelte sich zum Entsetzen meiner Eltern der unbedingte Wunsch an einer Kunstakademie zu studieren und das Leben eines freiberuflichen Künstlers anzustreben.

An der Münchner Akademie der Bildenden Künste wurde ich angenommen und erlebte unerwartet turbulente Studienjahre mit der Studentenrevolte der 68er-Jahre. Der Studienbetrieb an der Akademie brach weitgehend zusammen, nahezu täglich gab es Vollversammlungen, der studentische Unmut wurde weiter angefacht durch Erkenntnisse über Alt-Nazis, die bis dahin unbehelligt weiter in ihren Ämtern wirkten, vom Professor Hermann Kaspar, Hitlers Lieblingskünstler bis zum Hausmeister der Universität, der Sophie Scholl und die Weiße Rose verraten hatte. In der Akademie wurden die Wände mit politischen Parolen bemalt, der Verwaltungstrakt wurde verbarrikadiert, die Akademie zeitweise geschlossen. In dieser wilden Zeit, hin und her gerissen zwischen politischem Anspruch und Berufswunsch, zog ich mich, wie andere auch, die Kunst machen wollten, immer öfter in mein Zimmer in einer studentischen Wohngemeinschaft, das mein Arbeitsraum wurde, zurück. Auch der Lehrbetrieb mit Professor Raimer Jochims und Studenten fand lange Zeit in eben diesen Privaträumen statt. Anfang der 70er Jahre wurde eine Kommission ins Leben gerufen, die einen geordneten Lehrbetrieb an der Kunstakademie wieder herstellen sollte. Da war mein Studium fast zu Ende. Aus Langeweile und intellektueller Unterforderung machte ich das Staatsexamen in Kunsterziehung und stand kurze Zeit später als Lehrer vor Schülern im Gymnasium. Da das aber der falsche Platz für meinen Lebensplan war, reichte ich ein Gesuch auf Entlassung beim Kultusministerium ein, packte meine Bilder ins Auto und besuchte Galerien in Deutschland. Ich war endlich Künstler!


Text aus: "Erlebt nochmals Eure Schulzeit - Tuttlingens Schullandschaft nach 1945"
Volker Schäfer, Vereinigte Druckereibetriebe Laupp & Göbel, 496 Seiten
ISBN 978-3-9817150-2-6         Erscheinungsdatum: 23.12.2016


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